Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

NEIN ZU "NO BILLAG"

Wenn Sie NICHT wollen, dass

- wir keine öffentlich-rechtlichen elektronischen Medien mehr haben,

- der öffentlich-rechtliche Medienverbund der Sprachregionen zerschlagen und zum Spielball privater Interessen wird,

- die Klein- und Grosskunst im Bereich der elektronischen Medien den wichtigsten Ansprechpartner, Unterstützer, Förderer und kritischen Begleiter verliert,

- öffentlich-rechtliche Informations- und Kultursendungen wie "Echo der Zeit", "Tagesschau", "Schnabelweid", "Hörspiel", "Kontext", "Diskothek", "Kassensturz" und "Netz Natur" verschwinden,

- die Schweiz ihre elektronische Medienselbständigkeit verliert,

dann sagen Sie NEIN zu "No Billag".




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Wort oder Ausdruck der Woche

geissegiechtig

Eine ältere Frau, die im Emmental aufgewachsen ist, schrieb mir kürzlich, sie erinnere sich in letzter Zeit häufig an Wörter und Ausdrücke, die sie lange Zeit vergessen gehabt habe. Kürzlich habe sie einer Person, die sie genervt habe, gesagt: Du machsch mi ganz geissegiechtig «du machst mich ganz gereizt, nervös»! Sie wollte wissen, woher das Wort geissegiechtig kommt.

Das Wort ist zusammengesetzt aus geisse und giechtig. Giecht bezeichnet im Mittelbernischen das Wundwasser, das eine entzündete Wunde vor dem Eitern absondert. Die Wunde, die giechtig «entzündet» ist, giechtet «sondert Wundwasser ab». Bereits früh konnte das Wort giechtig mit der übertragenen Bedeutung «gereizt, böse, erbittert» verwendet werden: Du muesch im nid znaach choo, er isch giechtige hüt. Auf diese Weise braucht der Elsässer Johann Fischart gichtig bereits in seiner «Geschichtsklitterung» von 1577: «Er war so gichtig, böss und kiebig, dass er vor Zorn ein Nuss mit dem Arss aufgebissen het (hätte).»

Wie geisse- vor das Wort giechtig kommt, kann ich nicht erklären, denn für geissegiechtig habe ich keinen einzigen Beleg gefunden. Interessant ist auch, dass Geisse- oft als erstes Glied von Substantiven vorkommt, aber nicht als erstes Glied von Adjektiven. Geissegiechtig «nervös» ist vielleicht sanfter als giechtig «böse, gereizt». Es scheint mir vergleichbar mit gibelisinnig, schtifusinnig oder schtuurm, wobei bei diesen Worten mehr das Verwirrtsein überwiegt, oder mit zablig, tubetänzig, wobei hier mehr das Unruhigsein überwiegt.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass es ein älteres Wort gichtig gibt, das abgeleitet ist von (ge)jehen «sagen, aussagen, sprechen, behaupten, bekennen». In diesem Sinn konnte man jemanden durch Folter gichtig «zur Aussage bereit» machen oder jemand war vor Gericht gichtig «bereit auszusagen». Ob sich die Krankheit Gicht auch auf (ge)jehen zurückführen lässt, ist nicht hinreichend geklärt.    

 

"Der Wörtli-Schmid und seine Redensarten", Schnabelweid mit Christian Schmutz auf SRF1 am 9.11.2017
Artikel von Alexander Sury im Bund vom 31.10.2017

Interview von Andrina Wanner in der Schaffhauser az vom 12.10.2017

Interview von Daniel Arnet im Magazin des SonntagsBlicks vom 1.10.2017

1. August-Gespräch 2017 über Schweizer Dialekte mit Bodo Frick auf Radio Canal3

"Schwiizerdütsch", Talk im Tele Top am 12.6.2017

"Focus" vom 23.4.2012 auf SF        

Vom Gitarristen Christoph Greuter, mit dem ich oft unterwegs bin, ist die neue CD "Aseweg" mit neuem und altem Schweizer Folk erschienen: 



MEIN NEUES BUCH ÜBER REDENSARTEN "MIR STINKTS" (COSMOS VERLAG) IST IM BUCHHANDEL

"Mir stinkts" in den Top Ten der Bestseller Schweizer Verlage des SBVV (Woche 40-43 2017)


Auch das Buch "Härzschmärz" (Cosmos Verlag) mit Texten von Ernst Burren bis Pedro Lenz, zusammengestellt von Roland Schärer, ist im Buchhandel. Darin ist meine Geschichte "Bal musette".