Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".
Eine erfreuliche Nachricht: Ich werde den Friedestrompreis 2018 erhalten.
Diese Ehrung freut mich ausserordentlich, denn ich bin dem Internationalen Mundartarchiv «Ludwig Soumagne» in Dormagen-Zons und seinen Mitarbeitern seit Jahrzehnten verbunden. Ich schätze die Arbeit, die dieses Institut im Rhein-Kreis Neuss macht, sehr und wünschte mir, es gäbe etwas Vergleichbares auch  in der deutschsprachigen Schweiz, die sich so gern als Mundartparadies darstellt.

Im Rahmen des Volksmusikfestivals Altdorf spielt EIGETS am 19. Mai 2018 um 14 Uhr im theater[uri]

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Wort oder Ausdruck der Woche

Schwerenöter

Vor kurzem wurde ich gefragt, was das Wort Schwerenöter genau meine und woher es eigentlich komme. Das Wort, eine Ableitung von Schwerenot, älter schwere Not, hat eine seltsame Geschichte. Als schwere Noth oder Schwerenoth bezeichnete man seit dem 16. Jahrhundert die Epilepsie, die auch Fallsucht genannt wurde. Dafür gibt es viele Belege. Ein medizinisches Buch von 1679 berichtet von einem Leiden und erklärt, «es war die rechte schwere Noth / denn er schlug mit den Armen von sich / und biss ihm (sich) die Zunge offters dass sie blutete». Johann Heinrich Zedler verweist in seinem «Grossen vollständigen Universal-Lexicon» (1731–1754) unter dem Stichwort «schwere Noth» auf Epilepsie. In einem preussischen Rekrutierungsreglement aus dem 18. Jahrhundert lese ich: «Schwere Nöther, Schwindsüchtige, Faulfüssige…soll man laufen lassen.» Weil der Schwerenöter vor dem Schwindsüchtigen kommt, muss ich annehmen, dass hiermit ein Epileptiker gemeint ist. Im 4. Band des «Deutschen Sprichwörter-Lexikons» von Wander von 1876 lese ich: «Schwerenöther ist ein leichteres Scheltwort, während es, genau genommen, nur einem Bösewicht zukäme, dem man die Schwerenoth (Epilepsie) anwünschen möchte.» Auf die Epilepsie bezieht sich auch das Kraftwort Schwerenot oder Schockschwerenot. Später bezeichnete Schwerenot auch andere Krankheiten, bei Zedler z. B. die schwere Noth der Kinder bei den Pocken und die schwere Noth bei Miltzbeschwerung.

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bezeichnet Schwerenöter aber nicht mehr einen an Epilepsie Leidenden, sondern einen durchtriebenen Menschen, eigentlich einen, dem man die schwere Not anwünscht. Deshalb definiert ein «Orthographisches Wörterbuch» von 1913: «der Schwerenöter, gewandter Bursche». In einer Erzählung von 1832 wird der Dichter Ferdinand Freiligrath ein «Tausend-Schwerenöther» genannt. Damit ist einer gemeint, der sich in jeder Situation zurechtfindet. Der dreibändige Duden «Die deutsche Sprache» von 2014 definiert «Schwerenöter» so: «Mann, der durch seinen Charme und eine gewisse Durchtriebenheit Eindruck zu machen und sich etwas zu verschaffen versteht.» Ab der Mitte des 19. Jahrhundert wurde dann diese Bedeutung von Schwerenöter zuweilen auch eingeengt zu «einer, der sich um Frauen bemüht», vielleicht weil es bei besser gestellten Frauen zum guten Ton gehörte, bei starker Erregung zu fallen.


"Die Pendler nehmen Wörter mit nach Hause", Interview mit Daniel Arnet im  Sonntagsblick 2017

Gespräch mit Bodo Frick am 1. August 2017 auf Radio Canal 3

Schwiizerdütsch im Top Talk auf Tele Top 2017

"Focus" mit Franziska von Grünigen im April 2012

Christian Schmid erzählt die Sage von der Scheidegg-March