Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

geradewegs

Das Adverb geradewegs, seltener gradewegs, meint «ohne Umweg, direkt»: sie führte uns geradewegs ins Stadtzentrum; in übertragener Bedeutung «ohne Umschweife, unmittelbar»: er kam geradewegs darauf zu sprechen. Geradewegs, älter auch geradenweg(e)s und geradesweg(e)s, ist eine Zusammenrückung, gebildet aus den Ausdrücken geraden bzw. gerades Weg(e)s «ohne Umweg, direkt»: «gerades weges gen himel füren» (1557).

Auch englisches straightaway «sofort, sogleich» ist zusammengerückt aus dem Ausdruck straight a way «geradewegs, direkt». Im Buch über William Pitt aus dem Jahr 1793 schreibt John Almon, etwas führe «straight a way to an universal ruin –  geradewegs in den allgemeinen Ruin».

Symbolisch ist der gerade Weg der gute; Bernhard von Clairvaux (um 1019–1153) sagte: «Den Gerechten führt der Herr auf geraden Wegen», wobei er mit «per vias rectas» einen Ausdruck verwendet, den bereits Aurelius Augustinus (354–430) gebraucht hatte. Rectus meint halt sowohl «gerade» als auch «richtig». Die krummen Wege, das wissen wir gut, sind die schlechten; bereits Luther spricht von den Abtrünnigen «mit ihren krummen Wegen». Wer Unerlaubtes tut, ist auf krummen Wegen.

Was mich betrifft, so sind mir beim Wandern oder Radfahren die krummen Wege lieber, weil ich mich immer frage, was hinter der nächsten Biegung liegt. Ich lasse mich gern überraschen, weil der Weg das Ziel ist. Beim Weg in die Seligkeit verliert man hingegen ungern das Ziel aus den Augen.