Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

Mein neues Buch ist im Buchhandel

Seine beiden Bestseller «Blas mer i d Schue» und «Mir stinkts» sind längst zu Longsellern geworden. Jetzt taucht Christian Schmid erneut tief in den Wörtersee. Um unsere Tiere in der Sprache geht es dieses Mal. Bunter Hund. Hornochs. Alpenkalb. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Da mues ja nes Ross lache. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Es Gsicht mache wi ne Chatz, wes donneret.

Christian Schmid beschäftigt sich in diesem Buch mit Wörtern und Redensarten, erzählt, wie und seit wann man sie in übertragener Bedeutung braucht und woher sie kommen. Zum Beispiel die Redensart «Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber». Die stammt, wie Christian Schmid belegt, ursprünglich nicht von Bertolt Brecht (wie oft behauptet wird), sondern von Christian Wiedmer, im Jahr 1850 Redaktor des «Emmenthaler Wochenblatts». Weshalb der Mann für diesen Satz vier Tage ins Gefängnis musste, steht auch in diesem Buch.

Cosmos Verlag ca. 336 Seiten, gebunden ca. Fr. 38.– ISBN 978-3-305-00500-0  (in hochdeutscher Sprache)

Waud I                                                                Waud II

Aube                                                                   Gäärn wär i uf em Houzwääg

hesch vor luter Böim                                verloore zmitts im Waud.

dr Waud nümm gsee.                                Gäärn ghöört is zrüggchoo                                        

Itz                                                                         win is i Waud ha grüeft.

gseesch vor luter                                        Aber uf der Schtumpeblütti

Ascht- u Trämuhüüffe                               weis i won i bii

d Böim o nümm.                                            U was i rüeffe gheit i ds Lääre.



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Wort oder Ausdruck der Woche

Amtsschimmel – Amtsschümu

Kürzlich las ich in der von Engelbert Kessler herausgegebenen Zeitschrift «Allgemeine österreichische Beamten-Correspondenz» vom September 1864 eine satirische Glosse über die Laufbahn des «Conceptbeamten». «Wie mancher solcher Conceptsbeamten», las ich, «hat es sein ganzes langes Leben lang im Concepte nie weiter gebracht als zum Schimmelreiter. Schimmel aber nennt man in der Bureausprache das Formular, nach welchem einen und denselben Gegenstand betreffende Referate, Erlässe etc. stilisirt werden.»

Der Schimmelreiter ist ein Beamter, der streng nach Vorlage oder Vorschrift, eben dem Schimmel, eine Schrift verfasst. Eine zweite Stelle in der «Beamten-Corrspondenz» vom August 1864 macht deutlich, weshalb diese Vorlage oder Vorschrift so heisst. Dort ist von «mehr als 10'000 Zahlungsanträge[n]» die Rede, «welche […] nach einem Leisten, vulgo Schimmel (similis) bearbeitet werden». Schimmel, erklärt uns die Zeitschrift, ist aus lateinisch similis «ähnlich, gleich» entlehnt. Diesem Schimmel begegnen wir noch im «Wiener Dialektlexikon» von 2007 mit der Erklärung: «Vorlage, Schema, Schablone».

Im heute noch gebräuchlichen Wort Amtsschimmel «übertrieben genaue Handhabung der Dienstvorschriften, Bürokratismus», steckt also das aus dem österreichischen Beamtendeutsch entlehnte Schimmel «Vorlage, Formular, Vorschrift». Die frühesten Beispiele für das Wort Amtsschimmel sind aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und zwar stammen sie aus der Redensart jedermann will den Amtsschimmel reiten «jeder hat gern einen sicheren Posten». Wir finden die Redensart zum Beispiel in Karl Simrocks «Die deutschen Volksbücher» von 1846. Im heutigen Deutsch sind noch zwei Redensarten geläufig: den Amtsschimmel reiten «die Dienstvorschriften übertrieben genau einhalten» und der Amtsschimmel wiehert «es herrscht Bürokratie».

Die «Aargauer Zeitung» setzte am 9. März 2011 über einen Artikel zur Sache Steinbruch Jura Cement den Titel «Wider den Amtsschimmel: Bohren ohne Bewilligung?» Der «Schwarzwälder Bote» vom 1. Oktober 2010 berichtete unter dem Titel «Höre den Amtsschimmel wiehern» über neue Abwassergebühren für St. Georgen. Und im «Landboten» vom 13. Februar 2019 wehrt sich Matteo Trivisano gegen rigide Beizenvorschriften unter dem Titel «Petition gegen den Amtsschimmel». In unserer Vorstellung ist aus dem Schimmel «Vorlage» ein Schimmel «weisses Pferd» geworden.  

(Die gesammelten Wörter der Woche finden Sie hier)


AALUEGE


Eine Seite aus dem schönen Züritüütsch-Chinderchochbuech "Misch & Masch", das die Handelskette BachserMärt herausgegeben hat:  


Zum Baselbieter Mundartautor Jonas Breitenstein (1828-1877), der sehr schöne Hexameteridyllen geschrieben hat, gibt es eine sehr lesenswerte Website, in welcher eine umfangreiche Dokumentation zu Leben, Werk und Umfeld des Baselbieter Pfarrers und Dichters zusammengestellt ist.

 


Ein für Mundartinteressierte wichtiges, wunderbares, neues Buch, das endlich einen umfassenden Überblick gibt über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen. Herausgeber: Emanuel Ruoss und Juliane Schröter, erschienen im Schwabe Verlag:

  Schweizerdeutsch


In der Deutschschweiz hat die Reflexion über die eigenen Dialekte und deren Verhältnis zum Hochdeutschen eine lange Tradition. «Schweizerdeutsch» ist das erste Buch, das einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen gibt. Es zeichnet die wichtigsten öffentlichen Debatten darüber seit 1800 nach und ordnet sie in ihre politischen und kulturhistorischen Zusammenhänge ein. So macht es verständlich, wie Schweizerdeutsch in der Vergangenheit wahrgenommen und beurteilt wurde und warum es bis heute einen wesentlichen Teil der Deutschschweizer Identität bildet.

Der Gitarrist und Lautenist Christoph Greuter, mit dem ich oft und gern auftrete, hat zwei neue Lauten-CDs gemacht, die demnächst im Handel erscheinen:

ARCADIA | Italienische Lautenmusik der Hochrenaissance

Label : Narrenschiff (Nar 2020146)
SPREZZATURA | Tänze + Ricercari aus den frühesten Lautenhandschriften

Label : Narrenschiff (Nar 2020147)

Hörmuster auf www.christophgreuter.ch


Artikel, Tondokumente und Video

Interview "Mundartliteratur sollte endlich wieder erforscht werden!" auf blog.berndeutsch.ch

Der Generationentalk mit Estelle Plüss (Best-Elle), geleitet von Elias Rüegsegger vom Generationentandem und im Generationenhaus Bern am 17.12.2019

Schaffhauser Fernsehen "Hüt im Gspröch" mit Alfred Wüger vom November 2019 (zum Buch "Häbet nech am Huet")

"Reden wir überhaupt noch Dialekt?" Interview von Lena Rittmever im Bund vom 25.10.2019

"Mundartforscher Christian Schmid: 'Das ist eine Stadt-Land-Geschichte'", Interview mit Martin Uebelhart in der Luzerner Zeitung vom 4.5.2018

Mundart-Experte Christian Schmid beantwortet Leser-Fragen im Blick vom 23.10.2017 

"Die Pendler nehmen Wörter mit nach Hause", Interview mit Daniel Arnet im  Sonntagsblick 2017

"Der Wörtli-Schmid und seine Redensarten" Schnabelweid mit Christian Schmutz, SRF1 am 9.11.2017

Schwiizerdütsch im Top Talk auf Tele Top 2017

"Werum sich d Mundart dörf verändere" in Volksstimme vom 31.1.2017

Christian Schmid erzählt die Sage von der Scheidegg-March