Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

Mein neues Buch ist im Buchhandel

für Lesungen und Gespräche stehe ich gern zur Verfügung

Dazu Matthias Knecht im "Bieler Tagblatt vom 21.5.2021: "Äs uhenneguets Buech"; Alexander Sury im "Bund" vom 25.5.2021: "Bereits Gotthelf fluchte über den 'Schysshung'"; Hansruedi Kugler in den Zeitungen der CHMedien sowie in den "Schaffhauser Nachrichten" und im "Walliser Boten" vom 5.6.2021: "Wo Sauhund und dumme Kuh herkommen".  "100 Franken Busse für eine blöde Kuh" von Daniel Arnet im Magazin des Sonntagsblicks vom 27.6.2021

"Souhund" und "dummi Chue" - Gespräch mit Simon Berginz auf Radio Zürisee 

Seine beiden Bestseller «Blas mer i d Schue» und «Mir stinkts» sind längst zu Longsellern geworden. Jetzt taucht Christian Schmid erneut tief in den Wörtersee. Um unsere Tiere in der Sprache geht es dieses Mal. Bunter Hund. Hornochs. Alpenkalb. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Da mues ja nes Ross lache. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Es Gsicht mache wi ne Chatz, wes donneret.

Christian Schmid beschäftigt sich in diesem Buch mit Wörtern und Redensarten, erzählt, wie und seit wann man sie in übertragener Bedeutung braucht und woher sie kommen. Zum Beispiel die Redensart «Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber». Die stammt, wie Christian Schmid belegt, ursprünglich nicht von Bertolt Brecht (wie oft behauptet wird), sondern von Christian Wiedmer, im Jahr 1850 Redaktor des «Emmenthaler Wochenblatts». Weshalb der Mann für diesen Satz vier Tage ins Gefängnis musste, steht auch in diesem Buch.

Cosmos Verlag ca. 336 Seiten, gebunden ca. Fr. 38.– ISBN 978-3-305-00500-0  (in hochdeutscher Sprache)



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Wort oder Ausdruck der Woche

in e Wäschplere gusle

Ausdrücke wie uu, da het si aber in e Wäschplere gguslet oder we d nid wosch in e Wäschplere gusle, seisch lieber nüüt, hörte ich in meiner Jugendzeit recht oft. In e Wäschplere gusle meinte «heftigen Zorn provozieren, eine Aufregung verursachen». Heute sage ich eher Wäschpinäscht statt Wäschplere und das Wort gusle ist auch seltener geworden. Wäschpere, Wäschplere waren im Berndeutschen des Mittellandes und des Oberlandes einst weit verbreitet. Wo man der Wespe Wächsi oder Wäschge sagte, war das Nest die Wächsere, Wäxere oder Wäschger(n)e. Nach demselben Muster waren Hummlere «Hummelnest» und Hurnuussere «Hornissennest» gebildet. Den ältesten Beleg für das Wort findet man im Roman «Uli der Knecht» (1846) von Jeremias Gotthelf: «… er schiesst auch nicht mehr herum, wie wenn er in einer Wesperen wäre …». Noch älter ist wohl der Walser Flurname Wäschgeru (Veschgero) bei Cressoney. Das Verb gusle «herumstöbern, herumstochern» stellt das «Schweizerische Idiotikon» zum Substantiv Gusel «Aufregung, Hast, (blinder) Eifer». Öppis im Gusel haa meint «etwas im Sinn haben». Auch die Redensart in e Wäschpere gusle braucht Gotthelf in «Uli der Knecht». Als Uli für eine Kuh auf dem Viehmarkt viel verlangt, heisst es: «Nun erhob sich ein Gebrüll gegen ihn, wie wenn er in eine Wespern geguselt …».

Das Erregen von Zorn wird seit Jahrhunderten mit dem Bild ausgedrückt, dass jemand ein Nest wehrhafter Insekten in Aufregung versetzt. Das älteste Beispiel für entsprechende Redensarten betrifft nicht Wespen, sondern Hornissen und lautet beim Römer Plautus, der um 200 v. Chr. lebte «irritare crabrones – die Hornissen reizen». Der Zürcher Josua Maaler schreibt im frühen 16. Jahrhundert in seinem Wörterbuch: «in ein hurnussennäst stächen, das ist, ein unrüwigen menschen reizen, crabrones irritare». Um 1615 glossiert ein Geistlicher einen Text mit der Bemerkung: «Jesuiten stechen bey den Ketzern in ein Hornussen Nest». Und noch 1691 setzt Kaspar von Stieler hinter in ein Wespennest stören lateinisches crabrones irritare.

Im 17. Und 18. Jahrhundert verdrängen die Wespen die Hornissen in der Redensart mehr und mehr und wir lesen in ein Wespennest stechen, in ein Wespennest stören, in ein Wespennest greifen, in ein Wespennest stochern. Das «Theatrum Europaeum» setzt 1627 «dieses war in ein Wespen-Nest gestochen / oder Oel ins Feuer gegossen / und Ubel ärger gemacht» hintereinander. Freiherr Johann Wichard von Valvasor schreibt 1689: «… so heben sie alle miteinander an / gleich als ob man in ein Wespen-Nest hette gestört / zu schreyen …». Und Theodor Heinsius erklärt in seinem «Vollständigen Wörterbuch» von 1822 in ein Wespennest stochern mit «eine gefährliche Sache aufrühren». Der Ausdruck ist noch heute gängig. Die «Zeit» schreibt am 21. Mai 2019 in einem Artikel zu Kevin Kühnert: «Kühnert hat in ein Wespennest gestochert, gut so!» und auf «verkehrsportal.de» lese ich: «Ja, ich weiss, damit habe ich wieder in ein Wespennest gestochert

(Die gesammelten Wörter der Woche finden Sie hier)


Neoländler, die Musikgruppe von EIGETS, hat eine prachtvolle neue CD gemacht

Siehe unter neolaendler.ch






AALUEGE

Eine Seite aus dem schönen Züritüütsch-Chinderchochbuech "Misch & Masch", das die Handelskette BachserMärt herausgegeben hat:  


Zum Baselbieter Mundartautor Jonas Breitenstein (1828-1877), der sehr schöne Hexameteridyllen geschrieben hat, gibt es eine sehr lesenswerte Website, in welcher eine umfangreiche Dokumentation zu Leben, Werk und Umfeld des Baselbieter Pfarrers und Dichters zusammengestellt ist.

 


Ein für Mundartinteressierte wichtiges, wunderbares, neues Buch, das endlich einen umfassenden Überblick gibt über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen. Herausgeber: Emanuel Ruoss und Juliane Schröter, erschienen im Schwabe Verlag:

  Schweizerdeutsch


In der Deutschschweiz hat die Reflexion über die eigenen Dialekte und deren Verhältnis zum Hochdeutschen eine lange Tradition. «Schweizerdeutsch» ist das erste Buch, das einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen gibt. Es zeichnet die wichtigsten öffentlichen Debatten darüber seit 1800 nach und ordnet sie in ihre politischen und kulturhistorischen Zusammenhänge ein. So macht es verständlich, wie Schweizerdeutsch in der Vergangenheit wahrgenommen und beurteilt wurde und warum es bis heute einen wesentlichen Teil der Deutschschweizer Identität bildet.

Der Gitarrist und Lautenist Christoph Greuter, mit dem ich oft und gern auftrete, hat zwei neue Lauten-CDs gemacht, die demnächst im Handel erscheinen:

ARCADIA | Italienische Lautenmusik der Hochrenaissance

Label : Narrenschiff (Nar 2020146)
SPREZZATURA | Tänze + Ricercari aus den frühesten Lautenhandschriften

Label : Narrenschiff (Nar 2020147)

Hörmuster auf www.christophgreuter.ch


Artikel, Tondokumente und Video

"Häbet nech am Huet" (10.11.2020) im Nighttalk auf Radio Zürisee.

Interview "Mundartliteratur sollte endlich wieder erforscht werden!" auf blog.berndeutsch.ch

Der Generationentalk mit Estelle Plüss (Best-Elle), geleitet von Elias Rüegsegger vom Generationentandem und im Generationenhaus Bern am 17.12.2019

Schaffhauser Fernsehen "Hüt im Gspröch" mit Alfred Wüger vom November 2019 (zum Buch "Häbet nech am Huet")

"Reden wir überhaupt noch Dialekt?" Interview von Lena Rittmever im Bund vom 25.10.2019

"Mundartforscher Christian Schmid: 'Das ist eine Stadt-Land-Geschichte'", Interview mit Martin Uebelhart in der Luzerner Zeitung vom 4.5.2018

Mundart-Experte Christian Schmid beantwortet Leser-Fragen im Blick vom 23.10.2017 

"Die Pendler nehmen Wörter mit nach Hause", Interview mit Daniel Arnet im  Sonntagsblick 2017

"Der Wörtli-Schmid und seine Redensarten" Schnabelweid mit Christian Schmutz, SRF1 am 9.11.2017

Schwiizerdütsch im Top Talk auf Tele Top 2017

"Werum sich d Mundart dörf verändere" in Volksstimme vom 31.1.2017

Christian Schmid erzählt die Sage von der Scheidegg-March