Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

Mein neues Buch ist im Buchhandel

für Lesungen und Gespräche stehe ich gern zur Verfügung

Dazu Matthias Knecht im "Bieler Tagblatt vom 21.5.2021: "Äs uhenneguets Buech"; Alexander Sury im "Bund" vom 25.5.2021: "Bereits Gotthelf fluchte über den 'Schysshung'"; Hansruedi Kugler in den Zeitungen der CHMedien sowie in den "Schaffhauser Nachrichten" und im "Walliser Boten" vom 5.6.2021: "Wo Sauhund und dumme Kuh herkommen". 

Seine beiden Bestseller «Blas mer i d Schue» und «Mir stinkts» sind längst zu Longsellern geworden. Jetzt taucht Christian Schmid erneut tief in den Wörtersee. Um unsere Tiere in der Sprache geht es dieses Mal. Bunter Hund. Hornochs. Alpenkalb. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Da mues ja nes Ross lache. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Es Gsicht mache wi ne Chatz, wes donneret.

Christian Schmid beschäftigt sich in diesem Buch mit Wörtern und Redensarten, erzählt, wie und seit wann man sie in übertragener Bedeutung braucht und woher sie kommen. Zum Beispiel die Redensart «Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber». Die stammt, wie Christian Schmid belegt, ursprünglich nicht von Bertolt Brecht (wie oft behauptet wird), sondern von Christian Wiedmer, im Jahr 1850 Redaktor des «Emmenthaler Wochenblatts». Weshalb der Mann für diesen Satz vier Tage ins Gefängnis musste, steht auch in diesem Buch.

Cosmos Verlag ca. 336 Seiten, gebunden ca. Fr. 38.– ISBN 978-3-305-00500-0  (in hochdeutscher Sprache)

Waud I                                                                Waud II

Aube                                                                   Gäärn wär i uf em Houzwääg

hesch vor luter Böim                                verloore zmitts im Waud.

dr Waud nümm gsee.                                Gäärn ghöört is zrüggchoo                                        

Itz                                                                         win is i Waud ha grüeft.

gseesch vor luter                                        Aber uf der Schtumpeblütti

Ascht- u Trämuhüüffe                               weis i won i bii

d Böim o nümm.                                            U was i rüeffe gheit i ds Lääre.



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Wort oder Ausdruck der Woche

dr Bling nää

Die Redensart dr Bling nää lernte ich als Kind kennen mit der Bedeutung «sich davonmachen, verduften, sich unsichtbar machen». Wenn ich mich recht entsinne, brauchte sie eher mein Vater und nicht meine Mutter: di het dr Bling gnoo, bevoor das si se hei verwütscht. Man findet sie in einigen regionalen Mundartwörterbüchern, z. B. im «Berndeutschen Wörterbuch»: dr Blind nä «sich davonmachen», im «Baseldeutsch-Wörterbuch» von Suter: der Blind nää «sich eilig davonmachen»; im «Zürichdeutschen Wörterbuch»: de Blind nèè «weglaufen, wegschleichen»; im «Innerrhoder Dialekt»: de Blend neh «verschwinden, abhauen», im «Senslerdeutschen Wörterbuch»: de Blünn nää «verschwinden».

In der Mundartliteratur findet man sie z. B. in Werner Bulas Erzählband «Nöi Chostgänger» von 1938: «bis es ne o gnoh het u-n-er dr Blind nimmt». Im Jahrbuch «Die Ernte» von 1944: «Da heig är scho lang der Blind gnoh! Scho zwöi Jahr schaffi är jez i der Pulveri!» In Hugo Schneiders «Götti Bärnhard» von 1973: «Stutz Köbeli zieht d’Pfyffen y und nimmt der Blind.»

Hanns Bächtold-Stäubli behandelt die Redensart in seinem Buch «Die schweizerische Soldatensprache, 1914–1918» von 1922. Er gibt ihr drei Bedeutungen, nämlich «schlafen», «sich drücken» und «austreten». Zudem gibt er einen Beleg für dä het dr Blind gno «wenn einer in den Arrest kommt». Seiner Meinung nach kommt die Redensart dr Blind nää mit diesen Bedeutungen aus der Soldatensprache des Ersten Weltkriegs.

Allerdings ist die Redensart mit einer anderen Bedeutung älter. Laut Band fünf von 1905 des «Schweizerischen Idiotikons» bezeichnet de Blind bei gewissen Kartenspielen diejenigen Karten, die sozusagen einem fingierten Mitspieler ausgeteilt und umgekehrt auf den Tisch gelegt werden. Nach bestimmten Regeln können sie von den Spielern blind, d. h. ohne dass man deren Wert kennt, gegen eigene Karten eingetauscht werden; belegt ist in diesem Zusammenhang der Ausdruck wär tarf de Blind nää? Was die Redensart, die beim Kartenspiel gebraucht wird, mit der Redensart mit der Bedeutung «sich davonmachen, weggehen, wegschleichen» verbindet, ist das Unsichtbarsein oder das Unsichtbarmachen. Dr Bling im Spiel ist unsichtbar, weil die Karten mit der Vorderseite nach unten auf dem Tisch liegen; wer sich davonmacht, macht sich auch unsichtbar. Da im Idiotikonband von 1905 die Redensart noch nicht mit der Bedeutung «sich davonmachen» aufgeführt ist, spricht nichts gegen die These von Bächtold-Stäubli, dass sie mit dieser Bedeutung in der Soldatensprache des Ersten Weltkriegs entstanden ist.    

 (Die gesammelten Wörter der Woche finden Sie hier)



AALUEGE

Eine Seite aus dem schönen Züritüütsch-Chinderchochbuech "Misch & Masch", das die Handelskette BachserMärt herausgegeben hat:  


Zum Baselbieter Mundartautor Jonas Breitenstein (1828-1877), der sehr schöne Hexameteridyllen geschrieben hat, gibt es eine sehr lesenswerte Website, in welcher eine umfangreiche Dokumentation zu Leben, Werk und Umfeld des Baselbieter Pfarrers und Dichters zusammengestellt ist.

 


Ein für Mundartinteressierte wichtiges, wunderbares, neues Buch, das endlich einen umfassenden Überblick gibt über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen. Herausgeber: Emanuel Ruoss und Juliane Schröter, erschienen im Schwabe Verlag:

  Schweizerdeutsch


In der Deutschschweiz hat die Reflexion über die eigenen Dialekte und deren Verhältnis zum Hochdeutschen eine lange Tradition. «Schweizerdeutsch» ist das erste Buch, das einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen gibt. Es zeichnet die wichtigsten öffentlichen Debatten darüber seit 1800 nach und ordnet sie in ihre politischen und kulturhistorischen Zusammenhänge ein. So macht es verständlich, wie Schweizerdeutsch in der Vergangenheit wahrgenommen und beurteilt wurde und warum es bis heute einen wesentlichen Teil der Deutschschweizer Identität bildet.

Der Gitarrist und Lautenist Christoph Greuter, mit dem ich oft und gern auftrete, hat zwei neue Lauten-CDs gemacht, die demnächst im Handel erscheinen:

ARCADIA | Italienische Lautenmusik der Hochrenaissance

Label : Narrenschiff (Nar 2020146)
SPREZZATURA | Tänze + Ricercari aus den frühesten Lautenhandschriften

Label : Narrenschiff (Nar 2020147)

Hörmuster auf www.christophgreuter.ch


Artikel, Tondokumente und Video

Interview "Mundartliteratur sollte endlich wieder erforscht werden!" auf blog.berndeutsch.ch

Der Generationentalk mit Estelle Plüss (Best-Elle), geleitet von Elias Rüegsegger vom Generationentandem und im Generationenhaus Bern am 17.12.2019

Schaffhauser Fernsehen "Hüt im Gspröch" mit Alfred Wüger vom November 2019 (zum Buch "Häbet nech am Huet")

"Reden wir überhaupt noch Dialekt?" Interview von Lena Rittmever im Bund vom 25.10.2019

"Mundartforscher Christian Schmid: 'Das ist eine Stadt-Land-Geschichte'", Interview mit Martin Uebelhart in der Luzerner Zeitung vom 4.5.2018

Mundart-Experte Christian Schmid beantwortet Leser-Fragen im Blick vom 23.10.2017 

"Die Pendler nehmen Wörter mit nach Hause", Interview mit Daniel Arnet im  Sonntagsblick 2017

"Der Wörtli-Schmid und seine Redensarten" Schnabelweid mit Christian Schmutz, SRF1 am 9.11.2017

Schwiizerdütsch im Top Talk auf Tele Top 2017

"Werum sich d Mundart dörf verändere" in Volksstimme vom 31.1.2017

Christian Schmid erzählt die Sage von der Scheidegg-March