Christian Schmid ist ein Schweizer Mundartspezialist, Autor, Publizist und Performer. Seine wichtigsten Publikationen sind "Botzheiterefaane", "Blas mer i d Schue", "Näbenusse" und "Da hast du den Salat".

Mein neues Buch, das im März 2021 erscheint.

Seine beiden Bestseller «Blas mer i d Schue» und «Mir stinkts» sind längst zu Longsellern geworden. Jetzt taucht Christian Schmid erneut tief in den Wörtersee. Um unsere Tiere in der Sprache geht es dieses Mal. Bunter Hund. Hornochs. Alpenkalb. Ich glaub, mich tritt ein Pferd. Da mues ja nes Ross lache. Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Es Gsicht mache wi ne Chatz, wes donneret.

Christian Schmid beschäftigt sich in diesem Buch mit Wörtern und Redensarten, erzählt, wie und seit wann man sie in übertragener Bedeutung braucht und woher sie kommen. Zum Beispiel die Redensart «Nur die allergrössten Kälber wählen ihren Metzger selber». Die stammt, wie Christian Schmid belegt, ursprünglich nicht von Bertolt Brecht (wie oft behauptet wird), sondern von Christian Wiedmer, im Jahr 1850 Redaktor des «Emmenthaler Wochenblatts». Weshalb der Mann für diesen Satz vier Tage ins Gefängnis musste, steht auch in diesem Buch.

Cosmos Verlag ca. 336 Seiten, gebunden ca. Fr. 38.– ISBN 978-3-305-00500-0



Wegen Corona und einer Operation bin ich vorläufig bis Ende Februar 2021 "ausser Betrieb"



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Wort oder Ausdruck der Woche

Märit

Z Bäärn isch dr Märit uf em Weisehuusplatz; es git e ke Märitplatz, numen e Märitgass. Z Basu isch dr Määrtplatz zmitts i dr Schtadt vor em Roothuus, wo nid esoo heisst, wius root, neei, wius ds Raathuus isch. Im Aargouische geit me teeunen Oorten uf e Marcht. Z Schaffhusen isch dr Määrkt vor dr Sankt-Johann-Chiuche. Z Züri isch dr Mèèrtplatz im Schtadtteeu Öörlike. Z Sanggauuen isch dr Maartplatz im Noorde vo dr Autschtadt; d Mundaartschriftschteuuere Frida Hilty-Gröbly het es Buech gschribe mit em Titu «Am aalte Maartplatz z Sant Galle». U z Appizäu gits dr Mektigmaat, auso dr Midwuche-Märit. D Mundartwörter für Markt hei auso i üsne Mundaarte ganz verschideni Foorme.

Ds schriftdütsche Wort Markt, wo im Dütsch vom früeche Mittuauter het marcāt gheissen u im hööche Mittuauter öppe no market, isch vertleent us schpäätlatinischem marcātus, enere Näbefoorm vo mercātus, mit dr Bedütig «Markt, Handel». Ds dütsche Markt, ds änglische market u ds französische marché gö vo dr a-Foorm uus, ds italiänische mercato u ds spanischen u portugiisische mercado vo dr e-Foorm.

Was isch mit däm Wort passiert, wos vom Latinischen isch i ds Dütsche choo u nächäär de i üsi Mundaarte? Bim Vertleene vom Latinischen i ds Dütschen isch d Betoonig scho im Mittuauter vo dr zwöiten uf di eerschti Siube grütscht. Wäge däm isch d Ändig -us ewägggheit u dr zwöit Vokaau hets vo a zu e abgschwecht, nächäär isch er ganz verschwunde.

Bbliben isch ds Wort Markt, wo i dr Schaffhuser Mundaart mit emene längen umglutete Vokaau aus Määrkt voorchunt u i teeunen Aargouer Mundaarte mit ere Verschiebig vo k zu ch zu Marcht isch woorde. Wiu im schriftdütsche Wort Markt grad drei Konsonante nachenang chöme, auso rkt, hei di meischte vo üsne Mundaarte dä Konsonantehuuffen usddünnet u hei ds k usegheit. Das het zu Foorme gfüert wi Mèèrt, Määrt u Maart. Wiu men im Appizäuuischen es r vor emene Konsonant ewägglaat, hets us Maart Maat ggää.

Was isch de mit bäärndütschem Märit, wohäär chunt das i? Däm seit men uf Fachchineesisch Schpross-i. Wiu für di bäärndütsche Zunge d Konsonanteverbindig rt zweeni ring isch z rede gsii, het si zwüschen r u t es i ichegschmugglet, wiu sech daas ringer het la säge, u das het du äbe Märit ggää. I teeunen Eusäässer Mundaarte gits das Schpross-i oo, nume hei die ds t la gheien u nid ds k, drum säge si Marik.

Übrigens gits i üsne Schtedt nid nume Märite, Märitplätz u Märitgasse, z Basu gits zum Bischpiiu e Fischmäärt, z Züri het e Teeu vo dr Rämischtraass emaau Rossmèèrt gheisse, z Muurte gits dr Veemärit. Z Züri hei eersch 1862 auui Schtraassen u Plätz Nämen u d Hüser Nummero überchoo. Denn het me mit ere chliine Korektuur us em Söimèèrt dr Nöimèèrt gmacht.  

(Die gesammelten Wörter der Woche finden Sie hier)

Eine Seite aus dem schönen Züritüütsch-Chinderchochbuech "Misch & Masch", das die Handelskette BachserMärt herausgegeben hat:  


AALUEGE

Zum Baselbieter Mundartautor Jonas Breitenstein (1828-1877), der sehr schöne Hexameteridyllen geschrieben hat, gibt es eine sehr lesenswerte Website, in welcher eine umfangreiche Dokumentation zu Leben, Werk und Umfeld des Baselbieter Pfarrers und Dichters zusammengestellt ist.

 


Ein für Mundartinteressierte wichtiges, wunderbares, neues Buch, das endlich einen umfassenden Überblick gibt über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen. Herausgeber: Emanuel Ruoss und Juliane Schröter, erschienen im Schwabe Verlag:

  Schweizerdeutsch


In der Deutschschweiz hat die Reflexion über die eigenen Dialekte und deren Verhältnis zum Hochdeutschen eine lange Tradition. «Schweizerdeutsch» ist das erste Buch, das einen umfassenden Überblick über die Geschichte der Einstellungen zum Schweizerdeutschen gibt. Es zeichnet die wichtigsten öffentlichen Debatten darüber seit 1800 nach und ordnet sie in ihre politischen und kulturhistorischen Zusammenhänge ein. So macht es verständlich, wie Schweizerdeutsch in der Vergangenheit wahrgenommen und beurteilt wurde und warum es bis heute einen wesentlichen Teil der Deutschschweizer Identität bildet.

Der Gitarrist und Lautenist Christoph Greuter, mit dem ich oft und gern auftrete, hat zwei neue Lauten-CDs gemacht, die demnächst im Handel erscheinen:

ARCADIA | Italienische Lautenmusik der Hochrenaissance

Label : Narrenschiff (Nar 2020146)
SPREZZATURA | Tänze + Ricercari aus den frühesten Lautenhandschriften

Label : Narrenschiff (Nar 2020147)

Hörmuster auf www.christophgreuter.ch


Artikel, Tondokumente und Video

Schlechte Zeiten, gute Bücher – Der «Literaturclub» im Juni 2020  SRF1

Interview "Mundartliteratur sollte endlich wieder erforscht werden!" auf blog.berndeutsch.ch

Der Generationentalk mit Estelle Plüss (Best-Elle), geleitet von Elias Rüegsegger vom Generationentandem und im Generationenhaus Bern am 17.12.2019

Schaffhauser Fernsehen "Hüt im Gspröch" mit Alfred Wüger vom November 2019 (zum Buch "Häbet nech am Huet")

"Reden wir überhaupt noch Dialekt?" Interview von Lena Rittmever im Bund vom 25.10.2019

"Mundartforscher Christian Schmid: 'Das ist eine Stadt-Land-Geschichte'", Interview mit Martin Uebelhart in der Luzerner Zeitung vom 4.5.2018

Mundart-Experte Christian Schmid beantwortet Leser-Fragen im Blick vom 23.10.2017 

"Die Pendler nehmen Wörter mit nach Hause", Interview mit Daniel Arnet im  Sonntagsblick 2017

"Der Wörtli-Schmid und seine Redensarten" Schnabelweid mit Christian Schmutz, SRF1 am 9.11.2017

Schwiizerdütsch im Top Talk auf Tele Top 2017

"Werum sich d Mundart dörf verändere" in Volksstimme vom 31.1.2017

"Focus" mit Franziska von Grünigen im April 2012

Christian Schmid erzählt die Sage von der Scheidegg-March